Deutsches Literaturarchiv - Marbach
Strahlungen. Atom und Literatur
Literaturmuseum der Moderne - Marbach
20. November 2008 - 1. Februar 2009
Der griechische Philosoph Demokrit (460 bis 371 v.u.Z.) definierte alles Sein, materiell und immateriell, aus kleinsten Teilchen zusammengesetzt:
"Es gibt nichts als die Atome und den leeren Raum; alles andere ist Meinung."
Es dauerte dann keine 2.500 Jahre, bis die ganze Menschheit den Zeitpunkt erreicht hat, sich einfach nur aufgrund einer Meinungsverschiedenheit in ein atomares Puzzle verwandeln zu können. Ja, seit dem ersten Atombombenabwurf am 6. August 1945 um 8:15 morgens in Hiroshima haben sich die Entleerungskräfte menschlichen Wirkens vervielfacht. Wenn weitere atomare Auslöschungen irdischer Biologie nicht dem Zufall zufallen, dann müssen wir sie doch aus den Knöpfen politischer oder religiöser Entscheider erwarten oder?
Und so begannen Philosophen und Schriftsteller sich nach Hiroshima mit dem atomaren Feuer und dessen geistiger Verwüstung auseinander zu setzen. Denn, wer derartiges Fanal, egal ob als Augen- oder Zeitzeuge überlebt, für den ist Sprachlosigkeit der schlechteste Weg zu Trost und Verbesserung.
"Auf das »Debüt des atomaren Zeitalters in Japan« (Brecht) reagieren Schriftsteller wie Nelly Sachs, Arno Schmidt, Hans Henny Jahnn, Marie Luise Kaschnitz, Günter Eich, Heinar Kipphardt, Ernst Jünger und Friedrich Dürrenmatt, Philosophen wie Martin Heidegger, Karl Jaspers, Hans Blumenberg und Karl Löwith." Und auf deren Gedichte, Briefe und Vorträge sollten unbedingt auch Schüler von heute reagieren. Denn zur Ausstellung ein wunderbares Buch erschienen ist:
Marbacher Magazin 123.124 | Strahlungen. Atom und Literatur
Von Helga Raulff. Mit zum Teil unveröffentlichten Texten von Hans Blumenberg, Hermann Broch und Karl Löwith, kommentiert von Marcel Lepper, Jan Bürger und Reinhard Laube. 2008. 160 Seiten, zahlreiche farbige Abb. Broschiert. ISBN 978-3-937384-48-1
INHALT
Die rote Linie
Die Wörtersammler
Asche und Ambivalenz
Das Medium und die Botschaft
Ein höheres Licht
Die Bombe denken
Der Tag X und der Tag danach
Lehrspiele, Lustspiele
HERMANN BROCH: Zwei Briefe an Yvan Goll, kommentiert von Jan Bürger
HANS BLUMENBERG: Atommoral. Ein Gegenstück zur Atomstrategie, kommentiert von Marcel Lepper
KARL LÖWITH: Ein Diskussionsbeitrag zu »Atomenergie und menschliche Verantwortung«, kommentiert von Reinhard Laube
Roman Signer
Werke aus der Friedrich Christian Flick Collection im Hamburger Bahnhof und Leihgaben
Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin
30. September 2007 - 27. Januar 2008
Kinder und Jugendliche sehen in Print-, Computer-, Kino- und TV-Medien zuhauf, wie sich die Welt der Erwachsenen selber verheizt und ihre grossen, staatlichen und religiösen Konflikte anscheinend nur noch mit Bomben lösen kann - Roman Signer ist einer der wenigen kreativen Ausnahmen unter all diesen erwachsenen Bombern, denn er seit 50 jahren mit Sprengungen/Explosionen ausschließlich POESIE freisetzt - daher die Beschäftigung mit seiner Kunst bester Bildungsstoff für die Schule ist!
Roman Signer hat das Naturprinzip Sprengung an zahlreichen Orten dieser Welt kombiniert mit seiner Absicht, Kunst frei zu setzen - und hat dadurch: DIE Sprengungen aus ihrem militärhistorischen und medialisierten Kontext gesprengt. Seine Augenzeugen sind nicht Opfer privater, religiöser oder staatlicher Sprengungen geworden, sondern nehmen signersche Sprengsel mit nach Hause zur selbstdosierten Überschreitung eigener Rahmen - nicht im Namen des Guten oder Bösen, sondern im Bekenntnis zum eigenen Namen zum Wohle des Miteinanders.