mit feuer spielen
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Ausstellung
Ausstellung LAUFFEUER (seit 1995 - ausleihbar)

Ausstellung

LAUFFEUER
Repräsentationen von Feuer auf Postkarten aus der Sammlung Karawahn

Bisherige Stationen (Auswahl):

  • Feuerwehrmuseum Schleswig-Holstein - Norderstedt 1995
  • Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland - Bonn 2000
  • Symposium KIND und FEUER - Berlin 2006
  • Kulturtage Garbsen 2014
  • Generationenlang hat der homo sapiens nicht nur selber Feuer machen müssen, sondern auch in allen bekannten Ausdrucksformen dargestellt. Früheres Verständnis von Feuer war ein höchst vielschichtigeres, überwiegend geistiges, göttliches, aber auch freiheitliches, daher immer auch ständig wechselnder, individuell besetzter Symbolismus. Derlei Reichtum an wechselnden Feuerverwendungen und -projektionen läßt sich auf zahlreichen Postkartenabbildungen (wieder)finden - und zwar nicht nur vergangenen, sondern auch heutigen aus Kunst und Werbung. Durch die dem Postkartenmedium spezifische Universalität, alles abbilden zu können, ist in minimaler Form ein komplexes Feuerbild vermittelbar, zusammengesetzt aus Feuerdarstellungen

    • aus unterschiedlichen Zeiten,
    • von unterschiedlichen AutorInnen,
    • in unterschiedlichen Ausdrucksformen,
    welches dann zwangsläufig unterschiedliche Eindrücke, Wirkungen, Ansichten, Interpretationen, Inspirationen des heutzutage eher als banal, eben einfach nur als Feuer, Betrachteten ergibt. Aus einer Sammlung von mehr als 2.000 Post-, Einladungs- und Werbekarten mit Feuermotivik von gestern und heute lassen sich kleine und grosse Ausstellungen realisieren - sozusagen als Gegenfeuer heutiger, fast schon zur Allgemeinbidlung gewordener Feuerassoziationskette „Kerze-Kamin-Katastrophe“ (siehe auch Feuerdarstellungen heutiger Kinder). Jede Postkarte ist fixiert auf einem DIN A4 Blatt, kann derart in einem Bilderrahmen gleicher Größe präsentiert werden,

    In der Sammlung befinden sich (Feuer)Werke namhafter AutorInnen, wie z.B. Caspar David Friedrich - Robert Mapplethorpe - Piet Mondrian - Vincent van Gogh - Marc Chagall - Mark Rothko - Annie Sprinkle - Herb Ritts - Yves Klein - Bernh.Joh.Blume - Michelangelo - Fra Angelico - William Blake - Rene Magritte - Edward S. Curtis - Annie Leibovitz - Cindy Sherman - Andy Warhol - Salvador Dali - Michael Buthe - Gerhard Richter - Klaus Staeck - Ed Ruscha - Marcel Broodthaers - Adolph Menzel - Zille - Mathias Grünewald - Moritz Götze - Georg Grosz - Max Beckmann - Giuseppe Arcimboldo - Flatz - Stefan Lochner - El Greco - Max Ernst - Steven Spielberg - Jewgenij Chaldeij - Rembrandt - John Heartfield - Günther Brus - Anselm Kiefer - Francis Bacon - Jörg Immendorf - Albrecht Dürer - A.R. Penck - Jannis Kounellis - Pierre et Gilles - Karl Valentin - Keith Haring - Joseph Mallord William Turner - Roy Lichtenstein - Picasso - Mel Ramos - Jacques-Henri Lartigue - Nan Goldin - usw. - und viele gute Unbekannte - wie auch zahlreiche Comics: u.a. Loriot - Papan - Uli Stein - Michael Sowa - Janosch - Freimut Wössner - Tom - uva).

    Am Anfang war das Feuer. Dieses brannte - vielleicht aus Langeweile - den Urmenschen mit rauchemden Kopf heraus, dessen zivilisierte Mutanten, jedenfalls einige davon, es dann wieder künstlerisch (gemalt, fotografiert, skulptural, collagiert, in Worten usw.) repräsentierten, wovon deren Nachfahren Postkarten drucken liessen, welche ich ab 1985 zu sammeln begann.

    Das "alte ", zweidimensionale Medium Postkarte (leicht entzündlich!) entspricht wunderbar den vielen Projektionen und Interpretationsmöglichkeiten des "vermenschLICHTen" Feuerwesens, da aufgrund der preiswerten Herstellungsart ermöglicht wurde und wird, daß jeder Publikationsinteressierte sein Werk auf einer Postkarte wiederum re- und präsentieren konnte und immer noch kann. So wurden und werden die Feuer von Bild- und Textautoren funkensprühend um die Welt geschickt, als Lauffeuer, um ihre diversen Adressaten emotional und intellektuell zu entzünden.

    Wenn auf einer Postkarte in irgendeiner Form eine feurige Erscheinung (Asche, Glut, Rauch, Flammen, Explosion, Blitz, Vulkan, Feuerwehr usw.) platziert ist, und es gibt nur wenige Kreative, die die Verwendung von Feuer in ihrem Lebenswerk ausgelassen haben, und heutzutage wird zwecks Merchandisings nicht nur von etablierten, lebenden und toten Künstlern fast alles auch auf Postkarten veröffentlicht, dann kam es in meine Sammlung, und offenbart in dieser das vielfältige Vorhandensein des Feuers in allen Facetten irdischen, biologischen, kosmischen und geistigen Daseins - ambivalent in Bildung und Zerstörung. Viele Autoren und Künstler haben ihre Zeiten genutzt, ihre FeuerWerke und -verständnisse aus vergangenen Jahrhunderten zu formulieren. So ist eine Sammlung mit hochgebrannten Namen entstanden bzw. sind manche Feuerwerke/Werke mit Feuer sogar nur für eine Postkartenveröffentlichung konzipiert worden.

    Ist es Zufall, dass am Anfang aller Postkarten ein feuerbezügliches Wesen abgebildet wurde, denn
    “die zur Zeit nachweislich erste Bildpostkarte vom 19. Mai 1871 stellt einen bedrohlichen aussehenden Drachen dar“?
    Peter Weiss und Karl Stehle, Reklamepostkarten, Basel Boston Berlin 1988, S.17

    „Das Thema <<Feuer>> ist reich an Aspekten, die fächerübergreifende Arbeit und themenzentrierte Auswertung geradezu herausfordern.“
    Dimiter Daphinoff und Edgar Marsch, Das Feuer: Beiträge zu einem interdisziplinären Gespräch, Freiburg/Schweiz 1998, Cover

    „... die Darstellung von Feuer sei im wesentlichen nicht die Sache „klassischer“ Künstler und Kunst, sondern zuallererst eine Frage des individuellen Temperaments der Künstler, sodann eine an den „Zeitgeist“ gebundene Tendenz ..."
    Gerhard Finkh. In: Museum Folkwang, Brandspuren - Das Element Feuer in der neueren Skulptur, Essen 1991, S.14

    „Der stilistische und inhaltliche Pluralismus der „Feuerkunst“ erschwert kategoriale Zuordnungen und birgt die Gefahr unzulässiger Verkürzungen des Gehaltes der Kunstwerke.“
    Gerhard Finkh. In: Museum Folkwang, Brandspuren - Das Element Feuer in der neueren Skulptur, Essen 1991, S.23